Mittwoch, 5. Juli 2017

Anzeige: Liebe Jolina, Du bist ein Gewinn

Wenn ich auch manchmal müde bin und vieles einfacher sein könnte, sind es immer wieder Momente wie dieser, gerade eben, die mich auf den Boden holen und ich mir sage, der Mensch der ich heute bin, bin ich erst durch meine Kinder geworden, durch die Herausforderungen, durch die Liebe und durch den Traum, dass alles gut wird.
Ein Mensch wächst mit seinen Aufgaben und Jolina ist natürlich eine Aufgabe, aber eine schöne und wenn ich heute nach 8 Jahren auf meine Tochter und mein Leben schaue, dann werde ich manchmal etwas übermütig und klopfe mir selbst auf die Schulter und sage: "Gut gemacht!"

Das Leben ist ein Ponyhof Schild

Das Leben ist kein Ponyhof


Doch das Leben ist ja wie wir alle wissen kein Ponyhof und deshalb wünsche ich mir manchmal auch, dass es manchmal ein wenig unkomplizierter wäre, oder Unterstützung da wäre, die es einfacher macht.
Bei uns sind es eigentlich die kleinen Dinge, die am Ende ganz groß sind.
Ich bin der Meinung, dass Tiere unendlich wichtig und wertvoll für Kinder sind. Doch ich bin auch realistisch, ich könnte einem Tier nicht gerecht werden und was ist wenn wir nicht da sind? Unsere Lebenssituation ist gerade so, dass kein Platz für ein Tier bei uns ist, das Jolina Lehrstunden erteilt und Liebe gibt.



Als Louisa in den Osterferien ein paar glückliche Vormittage auf einem Reiterhof verbrachte war Jolina, wenn wir die große Schwester und ihre Freunde abholten immer total aufgeregt und meinte "Auch reite!"
Genau das ist es ja eigentlich auch was ich schon lange für sie suche, eine Möglichkeit wo sie ein paar Runden auf einem Pferd drehen kann, auf Pferden die dafür das Gemüt haben und Pferdeführern die sich auch ein klein wenig mit behinderten Kindern auskennen, den Anspruch therapeutisches Reiten habe ich nicht einmal, mein einziger Wunsch ist, dass es irgendwie ohne Stress in unseren Terminplan passt, der durch 2 Kinder randvoll ist und somit eine lange Anfahrt zum No-Go wird, wo ich bereits einen kompletten Nachmittag in der Woche für die Förderpraxis ins Mainz blockiert habe.
Eine der wundervollen Helferinnen des Ponyhofes setzte an einem Tag Jolina einen Reithelm auf und setzte sie einfach auf ein Pferd das gerade geputzt wurde.
Wenn Jolina auf dem Bild auch nicht von einem Ohr bis zum anderen grinst, sie war im siebten Himmel.
Als wir Louisa am letzten Tag abholten wurde Jolina schon erwartet. "Komm, ich warte schon auf dich. Willst du das Pferd zurück zum Hof reiten?"
Dieses Mal war es ein großes Voltigierpferd und ich musste Jolina ein wenig fest halten auf dem kurzen Weg von der Halle zum Hof und habe kein Bild. Sie war zwar zuerst erstaunt, wie hoch sie da saß, doch trotzdem war sofort ihr Vertrauen zu dem Pferd zu spüren. Ich spüre leider an diesen Tagen auch sofort, dass ich inzwischen auch noch eine Pferdehaarallergie entwickelt habe, doch das wäre erst mal kein Hinderungsgrund, wenn sich für Jolina die Gelegenheit bietet in der Nähe ab und zu ein paar glückliche Runden mit positivem Nebeneffekt zu drehen.

Jolina, Down Syndrom, auf einem Pony

Das Leben ist doch ein Ponyhof


...manchmal jedenfalls. Wer sich bis jetzt frag, warum hat die überhaupt Anzeige vor der Überschrift stehen, dann liegt es daran, dass ich die Ehre habe diesen Artikel für die Fernsehlotterie zu schreiben.
Das coole an der Fernsehlotterie ist, dass eigentlich viel mehr Menschen bei der Sache gewinnen, als das mancher Teilnehmer am Anfang denkt. Auf der einen Seite stehen natürlich Reisen, Autos, Geld, doch der weitaus größere Gewinn liegt in dem Lächeln, das die Projekte zaubern, die die Deutsche Fernselotterie fördert. Das große Ziel ist ein Solidarisches Miteinander. Ein großes Ziel werdet ihr sagen, doch irgendwo muss man ja anfangen und so werden aus vielen Projekten ein immer größeres Netz das sich spannt und das Leben ein bisschen mehr zum Ponyhof macht.

Einer dieser Knotenpunkte des großen Netzes an Projekten, ist die Förderung des heilpädagogischen Reitens in Frohnau.
Es lag nahe, dass ich mir gerade diese Geschichte ausgesucht habe in der es um Pferde und reiten geht.
Lest in "So herrlich frei" die Geschichte von Alina die auf Maggy ganz viel Selbstvertrauen gelernt hat und ihre Krankheit ein wenig vergessen kann und das sein kann was sie ist, ein "Pferdemädchen". Ich glaube meine Kinder sind auch in ihrem inneren Pferdemädchen, die nur noch auf ihren Prinz auf dem edlen Ross warten, an dieser Stelle streichen wir den Prinz und behalten das Pferd ;-)

An diesem Projekt hat mir zusätzlich gefallen, dass es doppelt hilft:

  • Beim heilpädagogischen Reiten in Frohnau sind Pferde Therapeuten für körperlich und geistig behinderte Menschen. Das Besondere daran: Die Bewohner der Stiftung Synanon organisieren das heiltherapeutische Reiten im Rahmen der Suchtselbsthilfe. Eine speziell ausgebildete Reitlehrerin übernimmt den Unterricht.
  • Die Deutsche Fernsehlotterie hat den Aufbau des Projekts mit rund 93.000 Euro gefördert.
Mädchen im Rollstuhl mit Pferd
Quelle: Screenshot Seite Du bist ein Gewinn, Projekt "So herrlich frei"

Wie solidarisch sind wir eigentlich?


Ich würde mir wünschen, dass viele Menschen erkennen, dass der wahre Gewinn des Lebens kein Geld, keine Autos oder Reisen sind, sondern ihre Mitmenschen. Nun ja, ich habe gut reden, ich wurde ja zu meinem Glück gezwungen und kann zu Jolina, meinem Kind mit Down Syndrom ohne Umschweife sagen "Du bist ein Gewinn" und wenn ihr meinen Blog gerne lest ist Jolina auch ein Gewinn für Euch, denn ohne sie wäre ich doch im Leben nicht auf die Idee gekommen einen Blog zu schreiben.


Spruch Miteinander
Quelle: Seite du bist ein Gewinn, Sccreenshot

Auf Du-Bist-Ein-Gewinn.de gibt es diese Texttafen, die man auch massenhaft in den sozialen Medien teilt und herzt, oder mit "gefällt mir" bedenkt.
Diese passt gerade sehr gut hierher. Wir "herzen" großzügig Bilder von süßen Kindern mit Down Syndrom, oder teilen Kampagnen für bessere Bedingungen für Hebammen und Pflegekräfte, doch das ist nur der erste Schritt, na ja, nicht mal ein Schritt, es ist kurz mal den Finger bewegt. Wichtig ist nachdem man den Finger Richtung "gefällt mir" gelenkt hat als nächstes wirklich den Fuß zu heben und den ersten Schritt zu gehen. Das kann einfach ein Lächeln sein für das Mädchen im Rollstuhl, oder der alten Nachbarin die Einkäufe die Treppe hochtragen.

Wo liegt euer Gewinn in der ganzen Sache?
Den kann man nicht anfassen wie ein Auto, oder fotografieren wie man seine Urlaubsstrände knipst.
Der Gewinn ist einfach das gute, warme Gefühl im Herzen.
Der zweite Schritt könnte sogar sein, dass ihr euch ein Ehrenamt sucht, eines das euch Freude macht und das für beide Seiten ein Gewinn ist, denn auch Du bist ein Gewinn, du musst dich einfach nur ins Spiel bringen.


Su bist ein Gewinn

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