Samstag, 13. Mai 2017

Rezension: Confidence Code - Was Frauen selbstbewusst macht

Es tut mir immer etwas leid, wenn meine Kritik etwas weniger freundlich ausfällt.
Ich bin immer ehrlich und selbst, wenn es etwas hart rüber kommt, ich fühle mich meinen Lesern verpflichtet.
Wenn ich also ein Produkt zum testen bekomme und es lobe, dann weil ich es wirklich cool finde. Vor kurzem bekam ich Haartönung zugeschickt und die hat mich so enttäuscht, da schreibe ich dann, wenn möglich lieber gar nicht drüber. Ich persönlich werde jetzt das nächste halbe Jahr fluchen, weil es meine grauen Haare nicht abgedeckt hat und ich zur Schonung meiner Haare nur alle 6 Monate töne, grrrr.

Jetzt also zu diesem Buch, das nicht komplett schlecht ist, aber lest selbst.



Katty Kay

Confidence Code

Was Frauen selbstbewusst macht
Deutsche Ausgabe
Erscheinungstermin: 28. März 2016



Dieser Text über das Buch hat mich neugierig gemacht:
"Den Schlüssel zum Erfolg liefert nicht allein die Kompetenz – wer in der Arbeitswelt und im Privatleben bestehen will, für den ist Selbstvertrauen unabdingbar. Gerade Frauen kämpfen jedoch häufig mit Selbstzweifeln. Woran liegt das? Und lässt sich Selbstbewusstsein aneignen oder bestimmen unsere Gene darüber, wie selbstsicher wir sind? In ihrem sensationellen Bestseller, der in Deutschland längst als Geheimtipp gehandelt wird, zeigen die renommierten Journalistinnen Claire Shipman und Katty Kay anhand verblüffender Forschungsergebnisse, wie jede Frau ihr Selbstgefühl stärken kann. Gemeinsam mit führenden Neurowissenschaftlern und Psychologen weltweit haben sie innovative Ansätze entwickelt, wie wir selbstsicherer werden können, indem wir etwa Risiken eingehen und aktiv handeln. Und wie wir unsere Denkstrukturen langfristig verändern. In Gesprächen mit einflussreichen Frauen aus Politik, Sport und Kunst kommen Kay und Shipman dem Geheimnis auf die Spur, wie Frau ihre Ziele erreichen und ein selbstbestimmtes Leben führen kann."



Ich habe wirklich etwas bahnbrechend Neues erwartet, deshalb war meine Erwartungshaltung sehr hoch. Wegen "verblüffender Forschungsergebnisse" und "sensationeller Bestseller", "Geheimtipp" lag die Latte wirklich ziemlich hoch, da kamen die Sprünge die die Autorinnen mit dem Buch machen leider nicht drüber, um im Bild zu bleiben.

Das angenehme an diesem Buch ist, dass es sich gut liest, also durchaus etwas für Durchschnittsfrauen, die jetzt nicht gerade über diesem Thema täglich hören oder forschen und immer sind die Quellen angegeben.

Leider hat es mich gleich am Anfang total aufgeregt, denn es tritt ständig Klischees breit.
"Frauen denken anders als Männer", "Frauen sind unsicherer als Männer", "Frauen werden anders erzogen", "Es gibt zu wenig Frauen in Führungspositionen".

Ich konnte die kleine Stimme in meinem Hirn nicht abstellen, die in nervigem Ton quengelte "Bla Bla Blaaa Blubb Blubb Blubber"

Hinzu kommt, dies ist ein Buch geschrieben von 2 US-Amerikanerinnen und das was sie schreiben trifft sicher auf ihr Land zu, ohne Frage, aber ist nicht 1:1 auf Deutschland zu übertragen. Besonders die Sicht der Frau und das Zutrauen in ihre Fähigkeiten ist in den USA zum Teil noch auf Mittelalterniveau. Frauen müssen schön sein und perfekt. (Wie konnte ein Land sonst einen solchen Präsidenten wählen? und kleine Mädchen schon mit Schminke zu Miss Wahlen schicken?)
Was den US-Amerikanern direkt ins Auge sticht sind oft Äußerlichkeiten. Auch die Autorinnen sind hierin gefangen. So beschreiben sie ein Treffen mit Christine Lagarde wie folgt: (Zitat aus dem Buch) "Eins achtzig groß, silbernes Haar, elegantes, dunkles Tweedkleid, ausgesprochen selbstbewusstes Auftreten und besonderes Flair....Der einzige Farbklecks war ein dezent gemusterter Seidenschal, so elegant um ihren Hals drapiert, wie wir es noch nie gesehen hatten und auch bestimmt nie selbst hinkriegen würden. Aufreizend französisch."
Beim Lesen musste ich die Augen verdrehen und ein genervtes Stöhnen unterdrücken.
Was hat die Kleidung mit einem Buch über Selbstvertrauen zu tun?
Warum bedienen die Autorinnen ständig vorgefasste Meinungen, wie die, dass Französinnen immer besser gekleidet sind.
Wer liest ein Buch von 2 Damen die scheinbar vor Unsicherheit strotzen zum Thema Selbstvertrauen? ("Jammer, jammer. Wir können einen Schal nicht so schön um den Hals legen und werden es auch nie können, huhu")

Im Großen und Ganzen sind Männer vor Selbstvertrauen strotzende, ständig das Wort an sich reißende Klugscheißer. Frauen sind schüchtern, wollen nur das Richtige sagen, oder lieber gar nichts und wollen von allen gemocht werden. So sagt es jedenfalls das Buch.

Nach einigen Kapiteln des Buches stellte ich langsam in Frage ob ich überhaupt eine echte Frau bin, oder was bei mir schief gelaufen ist, dass ich mit zunehmendem Alter immer mehr Selbstvertrauen in meine Fähigkeiten gewonnen habe (In späteren Kapiteln wird mir das aber erklärt, Erfolg macht Selbstvertrauen aber auch aus Misserfolg wächst Erfahrung und nicht nur Unsicherheit). Das heißt natürlich nicht, dass ich vor Bloggertreffen zum Beispiel wahnsinnig nervös bin und in einer Vorstellungsrunde immer lieber mal schnell aufs Klo verschwinden würde. Doch das ist doch normal, nach meinen Erfahrungen bei Männern und Frauen.
Natürlich gibt es auch das Modell "Ich kann alles, schaut, muss man mich nicht lieben?" dies gibt es allerdings in der Ausführung männlich und weiblich zu gleichen Anteilen und kommt niemals besonders sympatisch rüber.

Ein Teil des Buches hat mich sehr angesprochen, weil es eben auch eines meiner Interessengebiete ist. Ist Selbstvertrauen vererbt? Kann man Selbstvertrauen, oder die Veranlagung dafür in den Genen feststellen? Und was ist stärker Genetik oder Erziehung?

Nach diesem Kapitel konnte ich das erneute aufschreiben von alten Hüten nicht weiter ertragen und habe begonnen quer zu lesen.

Eine Erkenntnis zur Erziehung las ich mit Wohlwollen.
Ich bin ja schon ein älteres Semester und meine Eltern auch, beide noch im Weltkrieg geboren haben mich anders erzogen als die meisten erzogen wurden, die heute selbst Kinder haben.
Dieses ständige Loben für Alles und Jedes macht die Kinder nicht selbstbewusst, sondern sie bekommen eine vollkommen falsche Wahrnehmung ihrer eigenen Person und Überschätzen sich maßlos, denn alles was sie machen ist ja sooo toll.

Ich persönlich lobe nur für wirklich tolle Leistungen und nicht für jeden Scheiß und das tut meinen Kindern auch gut. So haben es die Autorinnen natürlich nicht ausgedrückt, aber die Kernaussage ist die gleiche.

Das was mich aber am allermeisten stört ist die Definition von Selbstbewusstsein, bzw die Bereiche die beleuchtet werden.
Im Interview sind Frauen mit politischer Macht oder Spitzensportlerinnen.
Immer wieder wird betont, dass es Frauen nicht so weit bringen weil sie zwar fachlich toll wären, aber kein Selbstvertrauen haben und immer geht es um Führungspositionen und Macht.

Jetzt meine Einschätzung zu dem Thema:


Vielleicht sollte ich den Autorinnen mal etwas über Selbstbewusstsein bei Frauen erzählen. Wir Frauen sind nämlich gar nicht so übel. Wir treffen jeden Tag Entscheidungen, ganz ohne innere Zweifel und dabei geht es nicht um die Wahl ob wir jetzt Zahnpasta gegen Karies oder gegen Parodontose in den Einkaufswagen packen.
Wir treffen die wichtigen Entscheidungen in den Familien und darüber redet kein Mensch. Im Prinzip sind wir es, die die Entscheidungen treffen und dabei ein sehr gesundes Selbstbewusstsein an den Tag legen. Die Männer beugen sich unserem Willen, weil sie es schon bei ihren Müttern getan haben. Sie mucken nicht auf wenn wir im Schlafzimmer die Blümchenbettwäsche aufziehen und das Wohnzimmer mit Schnickschnack voll stellen, wir entscheiden wohin der Urlaub geht, jedenfalls in den meisten Familien und der Mann merkt nicht mal, dass er gar nicht seine Wünsche erfüllt, sondern die der Frau. Es liegt also nicht daran, dass wir Frauen nicht genug Selbstbewusstsein haben, sondern, dass wir beim Poker um Führungspositionen oft die falschen Karten ausspielen, Männer gibt es schon, wir müssen Frauen bleiben, dann funktioniert das schon und in unserem Kulturkreis werden wir in den meisten Fällen auch so groß und wir Töchter lernen es von den Müttern und die Jungs lernen mit starken Frauen groß zu werden, dass dies in den USA wahrscheinlich nicht so ist konnte ich schon bei vielen Familien erleben und deshalb ist dieses Buch vielleicht einfach nicht das richtige für eine Frau wie mich. (Meine Mutter hat auch nach ihrer Heirat und mit Kind weitergearbeitet, in den 60er und 70er Jahren im Westen recht selten, für mich aber normal)

Wenn man mich fragt warum ich in keiner Führungsposition gelandet bin ist es so, weil ich das so wollte, ja diese Frauen gibt es auch. Mein Berufsleben startete ziemlich erfolgreich und ich bin mir sicher, dass wenn ich es gewollt hätte ich heute im Vorstand einer Bank sitzen würde, ich hatte großartige Angebote die ich immer ausschlug, auch ein Job in Luxemburg war vor vielen Jahren dabei.
Wenn es weniger Frauen in Führungspositionen gibt, dann liegt es daran, dass Frauen das gar nicht so stark anstreben.
Natürlich gibt es Frauen die trotz toller Qualitäten keinen entsprechenden Job bekommen, doch bei allem sollten wir auch sehen, dass neben diesen Frauen auch Männer stehen, die genau so toll sind und den Job ebenfalls nicht bekommen haben, blöd, dass die nicht jammern können man habe sie ja nur nicht genommen weil sie eine Frau sind, oder lag es am Selbstbewusstsein dieser Männer.
M.E. versucht das Buch ein Problem zu erklären, dass es so gar nicht gibt.
Männer und Frauen sind unterschiedlich, das stimmt, doch so wie das Buch es darstellt sicher nicht.
Ich habe da ein recht "männliches" Denken, wenn ich das Selbstbewusstsein für einen Job nicht habe, dann sollte ich ihn auch nicht bekommen. Wenn ich mir selbst nicht sicher bin, ob ich das kann, warum sollten mir dann andere das zutrauen?
Ich habe einige Banklehrlinge ausgebildet, Frauen und Männer, Unsicherheit gab es auf beiden Seiten vor neuen Aufgaben, die meisten weiblichen Azubis stürzten sich genau so mutig an die Aufgaben wie ihre männlichen Kollegen, denn bereits bei der Auswahl der Lehrlinge wird auf solche Dinge geschaut. Ich hatte in vielen Jahren nur eine die versuchte mich mit den typisch weiblichen Methoden um den Finger zu wickeln, ich sagte ihr dann, dass es bei mir nicht wirkt, wenn sie Kuhaugen macht und die Lippen vor stülpt, hahaha. Selbstbewusst war die junge Dame, denn sie sagte mir, dass sie es nicht einsieht Kopien für mich zu machen, dann sagte ich ihr, dass ich dann die Kopien mache und sie doch bitte das Kreditgespräch führen soll. Selbstbewusstsein ist nicht immer erfolgreich, vor allem, wenn es das einer Prinzessin im bürgerlichen Leben ist ;-) und nein, trotz äußerst gesundem Selbstbewusstsein wurde sie nach der Ausbildung nicht übernommen.

In unserer Stadt gibt es übrigens eine Oberbürgermeisterin, ihre Vorgängerin ist inzwischen Ministerpräsidentin des Landes und wir haben auch ganz neu eine weibliche Landrätin und die Chefin der Opposition im Landtag ist: ...auch eine Frau. Ach so unsere Bundeskanzlerin ist auch eine Frau, was wollen eigentlich alle?

Nur 3 von 5 Sternen




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