Mittwoch, 7. Dezember 2016

Stillen - Ein Erlebnisbericht

Schlafendes Baby mit Down Syndrom

"Sie wollen doch stillen?"
"Klar!"

Ich hätte mich auch sicher nicht getraut der Hebamme eine andere Antwort zu geben. Eigentlich ließ diese Fragestellung auch keine andere Antwortmöglichkeit zu ohne als absolut daneben da zu stehen.
Aber ich wollte ja stillen.
Wenn man mit über Mitte 30 zum ersten Mal schwanger ist, dann überlässt man wenig dem Zufall, alles ist geplant und man glaubt noch man hätte alles im Griff, war man doch die letzten Jahre Herr jeder Lage.

Ich hatte mir schon kurz nachdem zwei rote Striche auf dem Test zu sehen waren einen Berg Bücher gekauft. Vor 11 Jahren war ich zwar öfter im Netz unterwegs, hatte eine Reise HP, aber facebook oder Blogs waren noch gar kein Thema für mich, aber wie gesagt Bücher, VIELE Bücher.

Was hatte die letzte Generation doch nur für Fehler gemacht, Flaschennahrung ist ja das reinste Gift für die Kleinen und ihre Entwicklung und die Bindung zur Mutter.

Zusätzlich brachten mir die Bücher und meine Hebamme bei, dass eigentlich jede Mutter stillen kann und man einfach alles richtig machen muss.
Ich würde ALLES richtig machen, bestimmt.

Ich konnte die guten Gründe für das Stillen praktisch auswendig:

- Muttermilch enthält Nährstoffe die perfekt aufs Baby abgestimmt sind
- Muttermilch ist reich an Abwehrstoffen, gestillte Kinder werden seltener krank und schneller gesund
- Muttermilch schützt ihr Kind vor Allergien
- Stillen knüpft enge Bande
- Stillen fördert die Rückbildung
- Stillen ist praktisch
- Stillen spart rund 500 Euro in den ersten 6 Monaten
- Stillen mindert das Brustkrebsrisiko
- Stillen ist Seelenbalsam für die Mutter

"Sie wollen doch stillen?"
"Klar!"

Doch dann kam Louisa

Baby mit Flasche

Geplant war eine normale Geburt, alle Eventualitäten sollten ausgeschlossen sein. Da ich sehr klein bin und mein Mann 1,80 wurde mein Becken und das Kind vermessen (geschätzt auf 2700 Gramm)
Ich war fast 14 Tage drüber, also wurde die Geburt eingeleitet, Wehen, dolle Wehen, PDA, weil es dann doch nicht so easy auszuhalten war. Ich hatte ja gedacht, da ich an Schmerzen gewöhnt bin durch meine Wirbelsäulengeschichte stecke ich das weg wie nix.
Heftige Wehen, aber Geburtsstillstand, Abfall der Herztöne, innerhalb 5 Minuten Notkaiserschnitt mit nachgeschossener PDA. 3700 Gramm und zu groß für mein Becken.
Kurzes kuscheln mit meiner Tochter, weg war sie.
Die ganze Nacht, ich hatte Sehnsucht, fühlte mich leer und kein Kind, das ich hätte stillen können.

Ich wollte es trotzdem unbedingt, ich wollte es so sehr.
Louisa war ein extrem unruhiges Kind, wie schon im Bauch immer in Bewegung, immer angespannt und ungeduldig.

Zu Hause stillte ich dann, das Kind war nur am nörgeln und meist war sie nach den ersten gierigen Schlucken schon wieder abgelenkt und wollte lieber alles andere machen, nur nicht trinken.

Der Spruch der Hebamme "machen sie sich keine Sorge, wenn etwas in der Windel ist, bekommt sie ja Nahrung" brachte Louisa innerhalb der ersten drei Wochen fast bis zur Mangelernährung.

Sie bekam einfach nicht genug beim stillen, nicht weil ich es falsch machte, sondern mein Kind wollte lieber Samba tanzen, als Kuschelrock an der Brust.

Jetzt hatte ich aber diese ganzen Punkte oben im Kopf, nein, nein, nein!!! Das Kind musste doch unbedingt Muttermilch bekommen, das war wichtig.
Ich frage mich wie verrückt ich mich erst gemacht hätte, wenn ich damals in irgendwelchen Mütterforen gelesen hätte, oder in Blogs.

Ich habe tatsächlich eine Babywaage angeschafft und zog Zwiemilchernährung durch.

D.h. Erst wiegen, notieren, stillen, wiegen, fehlende Menge als Flasche machen, füttern.
Nur so konnte ich stillen und Louisa kam trotzdem auf ihre Menge.
Das füttern war auch nicht gemütlich, Louisa mochte keine Nähe, es klappte am besten wenn sie auf dem Boden lag und mit allen vieren rudern konnte und ich hielt ihr nur die Flasche hin. Übrigens kann Louisa auch heute fast nicht still sitzen, doch sie lenkt ihren Bewegungsdrang in die unterschiedlichsten sportlichen Aktivitäten.

Sie kam nur einmal am Tag auf ihre Trinkmenge. Nachdem sie die Nacht durch schlief, also von 23:00 bis 5:00 wartete ich schon sehnsüchtig, dass sie wach wird, sie trank im Halbschlaf komplett ruhig in meinem Arm ihre erste Mahlzeit und ich wünschte mir, das könnte immer so sein.

Sowas führt natürlich fast zwangsläufig zu einer Brustentzündung. So schlimm, dass ich Medikamente nehmen musste. Abstillen wäre eine Möglichkeit gewesen, doch ich pumpte ab, schüttete die Milch weg, damit ich bald wieder in diesen Wahnsinn einsteigen konnte.

So sehr war ich durch diese ganzen Stillempfehlungen unter Druck.
Ich wollte doch das beste für mein Kind.

Das Spiel zog ich 6 Monate durch.

Bei der zweiten Schwangerschaft sagte ich sofort: "So verrückt mach ich mich nicht mehr wegen der Stillerei, wenn´s nicht klappt, dann lasse ich es einfach, basta!"

Doch dann kam Jolina und ich setzte dem Ganzen die Krone auf

Baby mit Down Syndrom bekommt die Flasche

Jolina kam auch per Kaiserschnitt, 4 Wochen zu früh, ich hatte Ringelröteln(!), sie das Down Syndrom, eine extrem schlechte Sauerstoffsättigung und war dann erst mal weg auf der Frühchenstation.

Anstatt meinem Kind brachte man mir eine Pumpe ans Bett.
Jolina schlief sehr viel und ich pumpte auf Vorrat, ich hätte 1,5 Jolinas ernähren können. Wir versuchten es dann auch mit dem Stillen, eine große Herausforderung für hypotone Kinder mit Down Syndrom, aber so wichtig für den späteren Mundschluss und den Spracherwerb.
Es war schwierig, jede Kinderschwester hatte eine eigene Philosophie über das Stillen meiner Tochter und ihrer Sauerstoffsättigung. Ich erinnere mich an eine Nacht wo es wirklich ganz toll klappte, zum ersten Mal und dann piepten die Geräte, weil die Sauerstoffsättigung abfiel und man zerrte sie mir von meiner Brust, danach wurde es von mal zu mal schwieriger, selbst mit der Flasche war es ein Kampf, sie schaffte es kaum, sogar aus dem "Habermann-Sauger" war es einfach nicht einfach.

Als ich zu Hause war und Jolina noch auf der Säuglingsintensiv, pumpte ich brav und brachte meine Milch im Kühltäschlein in die Klinik.

Muttermilch ist doch so wichtig!

Mein Kind konnte nicht an der Brust trinken, mein Kind konnte nicht mal aus den Aventflaschen trinken über die ich nichts kommen ließ und die ich zu Hause hatte, mein Kind brauchte besondere Flaschen und Sauger und ich brauchte einen Fläschchenwärmer um die eingefrorene Muttermilch schonend auf Temperatur zu bringen.
Unser Tieffrierer hatte immer eine Schublade voller Muttermilch, also an mir lags nicht und ich hatte mich schon längst abgestillt, da trank Jolina noch Muttermilch.

Im Prinzip hört sich das ganz easy an - Abpumpen, ist es aber nicht.
Hier ist es wichtig die Zeiten einzuhalten, sonst geht die Milchmenge sehr schnell zurück. Jolina schlief extrem viel und wirklich durch. Sie schlief von 22:00 bis 7:00 aber ich stellte mir den Wecker um 4:00 setzte mich vor grottenschlechtes Nachtprogramm und kam mir vor wie eine Kuh an der Melkmaschine. Wenn wir eingeladen waren und es dauerte ein paar Stunden hatte ich die Elektropumpe dabei und zog mich dann zurück (so ein Pumpvorgang dauert übrigens auch seine Zeit). Jolina brauchte für eine Mahlzeit oft bis zu 50 Minuten. Ich denke ihr könnt euch vorstellen wie mein Tag aussah, pumpen, wickeln, füttern und dazwischen eine Dreijährige die immer in action ist.
Ich wollte den Wahnsinn von der Zwiemilchernährung nicht mehr wiederholen, hab ich auch nicht, ich habe es getoppt und 9 Monate (!) durchgehalten.

Klar, das sind Ausnahmen, aber ich könnte jedem wütend ins Gesicht springen der den Spruch loslässt "Jede Frau kann stillen"

Soll ich Euch was gestehen? Ich war so eifersüchtig auf die Mütter, deren Kinder unruhig wurden, sie die kurz anlegten und nach ein paar Minuten war die Sache "gegessen".
Ich empfand es als so extrem ungerecht, dass die das konnten und ich nicht, ich hatte doch alles versucht und ich hätte es wirklich verdient. Es ist eigentlich das natürlichste der Welt und ich kam mir so ausgeschlossen vor, so bestraft, nicht das Down Syndrom machte mich fertig, das passiert und zwar statistisch bei jeder 1000en Geburt (okay 90% davon werden ja abgetrieben) aber stillen kann doch angeblich jeder, nur ich nicht, womit hatte ich das verdient?

Es macht alles so schwierig. Ich erinnere mich noch an die Autopanne als Jolina genau 2 Monate alt war. Nun ja, Panne? Es schlugen Flammen aus meinem Motorraum. Wir saßen am Straßenrand, mit eisgekühlter Muttermilch, einer Pumpe ohne Stromanschluss, einer schmerzenden Brust und einem vor Hunger weinenden Kind. Nein, es hat keinen von uns umgebracht, doch es war einfach Scheiße und ich hätte mir so sehr gewünscht, ich hätte sie stillen können.

Deshalb finde ich es wirklich sehr bedenklich wenn ich manche Blogposts lese, bzw, meistens kann ich sie mir echt nicht mehr antun, die mehr wollen als nur ihren Weg beschreiben. Vielmehr wird es hingestellt als hätte die Schreiberin die Weisheit mit Löffeln gefressen und nur ihr Weg ist der richtige.
Ich finde es ganz schön vermessen und gefährlich.
Wie viele junge Mütter fühlen sich dadurch total verunsichert, weil sie es vielleicht anders machen.
Jeder ist anders, für jeden ist etwas anderes richtig und nicht immer sind alle Möglichkeiten gegeben.

Ich bin bald seit 11 Jahren Mutter, habe durch Jolina noch viel mehr Fachwissen erworben, als es mir eigentlich lieb ist und dann lese ich Blogs von Müttern, die gerade ihr erstes Kind haben, das wenige Monate alt ist und diese Mütter wollen anderen Müttern fast schon vorschreiben was richtig ist.

Impfen, Stillen, Familienbett, Fluor, Ernährung mit Fleisch oder ohne, Tragetuch, Spielzeug, etc pp

Es gibt kein Richtig oder Falsch, es gibt Möglichkeiten und man muss für sich den Weg finden der passt und der für einen selbst richtig oder machbar ist.

Natürlich ist Stillen im Prinzip der richtige Weg, wer will von mir aus 2 Jahre lang, für mich wäre das nichts, aber wenn´s Spaß macht, aber manchmal kann der Weg noch so richtig sein und doch muss man einsehen, dass es eben nicht möglich ist.

Liebe Mamas, hört bitte endlich auf euren Weg als das einzig Richtige hin zu stellen, ihr seid keine Psychologen, Ärzte, Chemiker, Ernährungsberater, Wissenschaftler, seht es ein ihr seid Mütter, nichts mehr und nichts weniger. Berichtet von eurem Leben, eurem Weg, vielleicht steckt ihr andere mit euren Ideen an, aber hört endlich auf zu glauben, ihr hättet die Pflicht andere zu eurer Meinung zu drängen und alles andere ist Schrott.

Kommentare:

  1. Du sprichst mir so aus der Seele, danke für diesen wunderbaren Artikel! Am schlimmsten sind dann immer die Beiträge, in denen ellenlang die eigene Meinung hervorgehoben und durch die Blume als einzig wahr dargestellt wird und dann kommt ganz zum Schluss noch irgendwo der ach so angeblich tolerante Satz ,,naja aber es muss ja jeder selbst wissen.. "

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    1. Hihi, ja, so am Ende noch mal nach getreten mit angeekeltem Gesicht, jedenfalls lesen sich diese Posts so, hahaha

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  2. Großartig!
    Ja, ich finde mich wieder in deiner Beschreibung der Hartnäckigkeit einer Mutter, bei der das Stillen nicht klappt, die aber trotzdem Muttermilch füttert... Icv weiß gar nicht, ob ich wollte. Es müsste einfach sein, der Kopf hat nichts anderes zu gelassen.

    Mann und Kind schlafen durch, Mamas Wecker klingelt zweimal pro Nacht, nach dem Abpumpen ist einschlafen erstmal Essig... Verabredungen und Einladungen sind der Horror, wer setzt sich schon gerne in fremder Umgebung an die Melkmaschine...

    Ich habe acht Monate durchgehalten - danach erst die Bremse ziehen können. Es ging nicht vorher...

    Ach, ich erkenne so viele deiner Beschreibungen und Empfindungen wieder, und auch bin ich dankbar für so viele deiner Tipps.

    Danke, dass du schreibst und mir immer wieder Mut machst!

    Liebe Grüße aus Berlin

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    1. Auch 8 Monate, wow, man ist schon ein bisschen verrückt als Mutter und wenn man dann mal drin ist, will man es durchziehen, liebe Grüße zurück

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  3. Sehr schön geschrieben.
    Ich war bei unserem ersten Kind 24, habe studiert und war beseelt von guten Vorsätzen und wollte stillen. Im Krankenhaus begann dann der Albtraum. Unsere Kleine bekam nicht genug Milch, und ich die "allerbesten" Ratschläge wie es denn klappen könnte. Nichts half, erschwerend kam hinzu, das meine moslemische Zimmernachbarin den ganzen Tag rücksichtslosen, lauten, aufdringlichen Besuch hatte, und weder ich noch mein Baby zur Ruhe kamen. Es ist wunderbar wenn eine Meute von 10 Besuchern um das Bett herumsitzen, laut auf (keine Ahnung welche Sprache das war) unterhielten und einem keine Ruhe lassen. Ich hatte mir Besuche verbeten um zur Ruhe zu kommen (nach 17 Tagen Übertragung), nur mein Mann kam jeden Tag für eine Stunde. Höhepunkt war dann für mich als wieder mal eine Festivität am Bett gegenüber stattfand und die Hebamme ins Zimmer schnallte und meinte "so, jetzt wollen wir die Kleine mal anlegen." Ich sagte, dass zuerst die Zuschauer das Zimmer zu verlassen haben, das sei etwas Privates für mich und ich möchte diesen Massenauflauf nicht. Da bekam ich als Antwort "Stillen ist etwas Natürliches, stellen sie sich nicht so an," und griff mir an mein Oberteil. Das war eine der negativsten und widerlichsten Erfahrungen meines Lebens. Eine halbe Stunde später stand ich mit Baby und Maxi Cosi vor dem Krankenhaus und habe mich von einem Taxi nach Hause fahren lassen.
    Ich versuchte vier Wochen vergeblich zu stillen, habe abgepumpt und nur kläglichste Ergebnisse vorweisen können. Ich kam mir auf diese eine Tätigkeit reduziert vor, und war wohl ein Versager (nachdem mir eine sehr nette Nachbarin mitteilte, "selbst Meerschweinchen könnten stillen, man dürfe sich nur nicht so anstellen". Irgendwann haben das Baby und ich nur noch geheult und dann habe ich es sein lassen.
    Bei unserem Sohn anderthalb Jahre später habe ich es gar nicht versucht und war sehr glücklich (und hatte ein Einzelzimmer gebucht).
    An Weihnachten vor zwei Jahren kam noch unser Überraschungsbaby dazu und auch das habe ich nicht gestillt, ich hatte bei ihr nicht mal eine Hebamme und es war ok. Wir waren unglaublich zufrieden und ich habe mich auf meinen Instinkt verlassen. Fühlt sich eine Mutter gut überträgt sich das immer auf ihr Kind. Ich war entspannt, als ich mir den Druck nahm. Wer stillen will, soll es tun, aber wer für sich einen anderen Weg wählt, hat jedes Recht dazu.

    Noch einen wunderschönen Abend,

    Angela

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    1. Genau so ist es, diese superklugen Sprüchen von anderen die eher das Gegenteil von Hilfe sind. Ich glaube wenn man sich unwohl oder unsicher fühlt klappt es auch nicht. Der Vergleich mit den Meerschweinchen ist ja voll daneben

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  4. Da kommt mir (auch mit DS-Kind) so vieles so bekannt vor: das nächtliche Aufstehen zum Abpumpen, das schlechte Trinken und alle Verrücktmachen wegen Nichterreichens der Mindesttrinkmenge, das nächtliche Wachbringen/Wachhalten des Kindes, damit es doch was trinkt. Das Kind muss doch auch nachts trinken! Wodurch wir wieder bei der Mindesttrinkmenge wären... Ich hab das Abpumpen nur 2 Wochen durchgehalten. Das Nicht-Stillen hatte bei uns gar keinen Einfluss auf das Bindungsverhalten zum Kind. Da sieht man mal wieder, dass es immer mehrere Wege gibt und nicht den einzig wahren. Man kann noch so viel lesen und sich informieren (hab ich auch zur Genüge gemacht), seinen eigenen Weg muss man selbst finden. Am besten auf sein Herz hören und den Mütterinstinkt einschalten. Denn diesen Instinkt gibt es wirklich und der hat mir schon viel geholfen.
    Danke dir einmal mehr für deine guten Themen und Gedanke dazu!
    Liebe Grüsse, Elke

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    1. Oh ja, im Krankenhaus haben sie das Kind auch immer zum trinken geweckt, zu Hause hab ich das schön sein lassen, es ist noch keiner über Nacht verhungert und warum sollte ich den schönen Rhythmus gleich kaputt machen und mir ein Kind heranzüchten, das mich künftig Nachts wach hält? Ich glaube Bauchgefühl geht den Menschen immer mehr verloren, ein großer verlust .-(

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  5. Ich hatte zwar keine Probleme mit dem Stillen, habe mich aber sehr gewundert, dass eines meiner Kinder obwohl ich es wirklich sehr lange gestillt hatte, trotzdem eine schwere Allergie entwickelte. Und unser Trisomie Kind hat zwar einen guten Mundschluss, aufs Stillen führe ich das aber nicht zurück.Fürs Sprechen lernen hat es in diesem Fall überhaupt nichts geholfen, aus meiner Sicht.Da hat sich nämlich trotz langem Stillen (fast) gar nichts entwickelt (und trotz umfangreicher Förderung). Natürlich habe ich mich auch über die Vorteile des Stillens gefreut, z.B. immer die Nahrung parat zu haben.Aber ich glaube nicht, dass sich ein Kind automatisch besser entwickelt, nur weil es gestillt wird, weder körperlich noch seelisch. Leider werden in der Pädagogik immer wieder neue Kühe durchs Dorf getrieben, die dann von vielen als allein seligmachend hochgepriesen werden .

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  6. Du hast vollkommen recht mit deinen Worten, und ich muss meinen Hut davor ziehen wie du das alles so geschafft hast. Ich selbst habe meine beiden Kinder gestillt. Bei mir war das aber auch nie ein Problem. Ich glaube nicht dass ich es sonst lange durchgehalten hätte. Ich finde wir machen uns viel zu verückt mit der ganzen Stillereri. Sicher, es ist gut fürs Kind (aber auch kein Allheilmittel). Aber man darf die Mutter nicht vergessen! Es muss auch gut für die Mutter sein. Und die Milchnahrung ist jetzt auch nicht so übel. Ganze Generationen sind damit aufgewachsen, ich selbst auch. Bevor man sich monatelang herumquält, und so vielleicht die Zeit mit seinem Baby dann gar nicht richtig genießen kann, sollte sich jede Frau Gedanken darüber machen, ob es das wirklich Wert ist.

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  7. ... solche Posts werden immer geschrieben, damit frau mal wieder Bestätigung bekommt - oder warum sonst??
    Schon mal überlegt, wie grad alle die Flüchtlingsbabies all over the world überleben? Mit mütterlichen Wünschen und Fläschchen??
    Schönen Abend auch
    Bettina

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    1. Was bist denn Du für eine? Hast du nur ein Wort meines Posts verstanden? Soll ich dir was sagen, wenn Jolina ein Flüchtlingskind gewesen wäre, dann wäre sie jetzt tot, soll ich mich jetzt schlecht fühlen? Du bist genau so eine, die ich keiner jungen Mutter an ihrer Seite wünsche. Das Kind kann nicht trinken und du stellst dich daneben und erzählst, dass Flüchtlingskinder auch keine Flasche bekommen und dass sie ja wohl ein Luxusproblem hat. Wenn du das möchtest, dann schreibe doch unter jeden Post des heutigen Tages etwas über dein Thema, dass Flüchtlingskinder froh sind wenn sie was zu essen haben und das egal ist ob es vegan ist, unter die vielen Posts mit Weihnachtsgeschenketipps, dass die nichts bekommen, ach ja, bei den Modebloggern, dass die Kinder nichts zum anziehen haben. Ich finde deinen Kommentar so dermaßen unangemessen und zum kotzen selbstgerecht, dass ich ihn stehen lasse als Mahnmal der virtuellen Taktlosigkeit mancher Personen.

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  8. Du hast einen fantastischen Artikel geschrieben,der eigentlich nicht nur zum Thema Stillen passt. Ich habe beim ersten Kind auch viele Bücher gelesen und wollte alles perfekt machen. Frei nach dem Motto: Gut geplant ist halb gewonnen! Leider hatte mein Kind die Bücher nicht gelesen 😉und nichts klappte nach Lehrbuch. Zum Glück hatte ich eine tolle Hebamme, die mir immer wieder Mut gemacht hat auf mein Bauchgefühl zu hören und nicht auf Bücher und gut gemeinte Ratschläge. Das ist bis heute für uns der einzig richtige Weg in allen Fragen rund um meine Kinder (mittlerweile sind es 3).
    Ich ärgere mich auch gerade sehr über die unangebrachten Worte in einem Kommentar. Wenn einem ein Blogpost nicht gefällt, muss man nicht seine total verkorksten Ideen Preis geben. Einfach mal die Kl...ppe halten wäre echt schön!!!
    Liebe Frau JoLou , mach weiter so und teile mit uns Deine ganz persönlichen Gedanken. Ich finde es sehr bereichernd.
    Gruß Katja

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    1. Hihi, stimmt, vielleicht hätte ich die ganzen Bücher laut vorlesen sollen, damit mein Kind das auch weiß, statt dessen habe ich sie mit Klassik beschallt (dabei konnte ich so schön lesen) und das hat auch Wirkung gezeigt, sie liebt Tschaikowsky, recht ungewöhnlich für so ne coole Lady

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  9. Hallo :-)

    Ich gebe Dir soooo recht :-) und das als Mama die mit 23 Monaten Teilstillt und das gern. Ich finde es wichtig das jede Familie ihren eigenen Weg findet. Es gibt Mamas die KÖNNEN nicht stillen und das ist okay so, es gibt Mamas die WOLLEN nicht stillen und das ist genauso okay. Ich finde es auch immer schlimm was für ein Stress den Mamas immer gemacht wird, ja sie werden regelrecht verrückt gemacht. Dadurch haben viele Frauen die nicht stillen können dann echt Probleme damit und fühlen sich schlecht.
    Auf der auf der anderen seite gibt es selten kompetente Stillberatung in den KHs. Viele Mamas wissen garnicht das man sich an eine stillberaterin wenden kann und hören auf Ihre Hebamme die im puncto stillen vielleicht noch veraltetes wissen preisgibt (so wie meine ;) ) und so ist es tatsächlich so das viele Mamas stillen könnten, es aber nicht klappt weil sie falsch beraten werden. Eine Stillberaterin zwingt auch niemanden zum stillen, wenn sie sieht das es aus diversen Gründen nicht klappt teilt sie das der Mama auch so mit und wenn sie sieht das die Mama eigentlich nicht will und es nur macht "weil es das beste ist und man das so macht" dann redet sie auch darüber mit der Mama. Ich gehe in meinem Umfeld der offen damit um das ich stille und erlebe oft das viele Mamas deshalb sich quasi schon "entschuldigen" das sie aus diesem und jenem gründen ja nicht stillen konnten. Es gibt nicht "diesen einen Weg" sei es beim stillen, beim tragen oder schlafen oder anderen Dingen rund ums Kind. Was für den einen passt muss es noch lange nicht für den anderen.

    Ich habe, dank den veralteten Ansichten meiner Hebammen (62 Jahre alt) nach zwei Wochen zufüttern müssen. Sie meinte zwischen den Mahlzeiten müssen mindestens 2 Stunden liegen. Sonst bekäme mein Kind Bauchschmerzen wenn die Alte auf die neue Milch trifft. So hielt ich mich daran, schrie sie doch ohnehin schon viel (highneedkind oder auch 24stdbaby) so wollte ich ihr doch Bauchweh ersparen. Und dann kam die Nacht an dem mein Kind Hunger hatte und ich keine Milch mehr. Alle 10 min wachte mein Baby auf und schrie vor Hunger und ich legte wieder und wieder und wieder an und heulte dabei (da war mein Kind knapp 2 Wochen alt) denn es kam nichts mehr aus meiner Brust. Mit Tee hielten wir sie etwas hin und dann kam etwas Milch, so retteten wir uns über die Nacht. Am nächsten Tag meinte meine Hebamme das ich zufüttern muss. Tat ich, jedoch erst Stillen dann Flasche. Mein Leidensdruck bezüglich der Flasche war jedoch riesig, ich ziehe den Hut vor jeder Mama die mit Flasche füttert, das wäre nix für mich gewesen ;-) so recherchierte ich und setzte mich dann zwei Tage aufs Sofa und Dauerstillte mein Kind. Es schlief immer wieder auf meinem Arm ein, wachte auf, trank, schlief (klar wickelte ich dazwischen auch mal ;-) ) usw usf. Sie schrie diese zwei Tage deutlich weniger. Und nach diesen Tagen waren die Flaschen kein Thema mehr.
    Jeder muss für sich rausfinden was passt. Es gibt viele die sagen "zwei Tage dauerstillen wäre für mich nie in Frage gekommen"'und das ist doch okay. Für mich war es der richtige Weg :-)
    Ich bin Erstlingsmama und ich sehe keinen Punkt verbissen, außer das man Kindern weder physisch noch psychisch Gewalt antuen darf. Alles andere muss jeder für sich Rausfinden. Ich kann von meinem Weg erzählen, mehr aber auch nicht.
    Und ich ziehe meinen Hut vor dir, das du bei beiden Kindern diesen Weg gegangen bist. Und ich finde es toll das du es hier ansprichst, stellvertretend für viele andere Themen wo sich - vorzugsweise - die Mamas die Köpfe einschlagen weil sie ihre Meinung und den Weg als den einzigen ansehen. Jeder will nur das beste für sein Kind und handelt auch nur danach, das hat die Natur geschickt so eingerichtet ;-)

    Liebe Grüße
    Kathy

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    1. Oh nein, was ne Hebamme, du Arme :-(
      Mir wollten auch alle nach 14 Tagen aufschwatzen ich müsse doch dringend Karotte in die Milch mixen, das hab ich ja schon mal gar nicht eingesehen, meine Mutter hat es sehr schnell eingesehen, dass man das nicht mehr macht, die andere Oma leider weniger und so war es wie ne Dauerschleife

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  10. Ich habe bei Kind 1 auch nicht wirklich gestillt, hatte sofort wunde Brustwarzen, das Kind hat quasi ein Milch-Blut-Gemisch getrunken, und nach einigen Wochen Abpumpen hatte ich dann die Nase restlos voll. Fläschchen haben auch ihre Vorteile, jedenfalls habe ich nie gerne in der Öffentlichkeit gestillt. Und ein bisschen flexibler ist man auch. Später dann, ab Kind 2, der in einem anderen Krankenhaus zur Welt kam und vermutlich als Flaschenkind verhungert wäre, nicht einmal die Schwestern haben es damals geschafft, ihm etwas zu geben, und er hat nie eine Flasche bekommen --- später also, da hatte ich dann den Vergleich : Während mein Flaschenkind wirklich so gut wie nie krank war, ist mein Stillbaby von Bauchweh geplagt worden und hatte eine Bronchitis nach der nächsten Mittelohrentzündung. Die restlichen Kinder, insgesamt 7, habe ich alle gestillt. Aber bei Antonia hätte es ohne viel Erfahrung und die weltbeste Hebamme sowie die weltbeste große Tochter, das ehemalige Flaschenkind, nicht funktioniert. Und nach 8 Kindern ist man sowas von unprinzipiell...

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  11. Liebe Frau JoLou!
    Ich bin eine von deinen vielen Facebook-Anhängerinnen und erst heute schreibe ich dir einmal zu deinem Post, den ich nur unterstreichen kann.
    Nun habe ich schon einen Sohn der mittlerweile 27 Jahre alt ist und diesen einen Sohn wollte ich auch um alles in der Welt stillen. Immer wieder hörte und las ich, dass Babys nach der Geburt sofort an die Brust gelegt werden, damit der Saugreflex aktiviert wird. Nicht so bei mir, die gute Hebamme meinte nämlich, dass das für mein Kind nur stressig wäre, denn er hätte durch die Geburt ja schon genug Stress gehabt. Ich ärge mich heute noch im Nachhinein, dass ich mich nicht durchgesetzt hatte. 3 Tage lang fragte ich nach, wann ich denn stillen könnte, denn mir lief die Brust förmlich weg. Und dann am 3. Tag hatte ich einen Milchstau, der sich gewaschen hat. (Ja ja... "jeder kann stillen", dass ich nicht lache)Ich sehe heute noch die Quarkpackungen die mir um die Brust gewickelt wurde oder die Kühlpacks oder das schmerzhafteste überhaupt, das Abpumpen der vor Milch angestauten bis platzenden Brüste. Lieber bekomme ich noch ein Kind, als dass ich unter diesen Schmerzen an die Pumpe muß...dachte ich so bei mir) Als das nun auch endlich überstanden war und ich auch nach Hause konnte, hatte ich sage und schreibe nur noch 1 Woche lang Milch. Egal was ich machte, es kam nichts mehr... Nienente, rien, nothing...
    Ich habe auch während der Schwangerschaft alles mögliche gelesen, geschaut und gehört und habe wohlwollend den Kopf genickt. Aber hinterher, hätte ich allesamt ins Boxhorn jagen können, weil viele Mütter mir wundersame schöne Dinge erzählten und ich nicht mithalten konnte...was das Stillen betrifft. (Mein Sohn ist trotzdem groß geworden und an körpericher Nähe hats ihm nie gemangelt)

    Genauso gehts aber auch mit allen anderen Sachen, denn fast jeder hat ein Kind, *Satire an: welches schon mindestens im Mutterleib zahnt, läuft, spricht und Windelfrei ist *Satire aus.
    Auch heut lese ich teilweise noch die Blogs der Besserwissermütter und könnte ob der Verlogenheit und Arroganz kot*en. <<< sorry!

    Auf alle Fälle hast du meine Hochachtung! Und...zwei ganz bezaubernde Mädchen!

    Liebe Grüße

    Anne

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    1. Danke Dir. Mutter und Kind trennen nach der Geburt finde ich so falsch, wobei bei jolina war das ja begründet, aber sonst, ist es fürs Personal halt einfacher.........

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  12. Ich lese schon ein paar Jahre auf dem Blog mit. Still und heimlich. Ich bin nicht so die, die alles kommentieren muss. Aber jetzt kommt dieser Post von dir und mein Herz geht auf. Ich werde im April 2017 zum ersten Mal Mama. Und klar möchte ich mein Kind stillen. Aber ich mach mir auch Gedanken darüber, was wäre, wenn es halt nicht so klappt. Und wie dann so die Familie und Freunde auf einem einreden. Ich finde es schrecklich, wenn man immer auf eine Einstellung so eingefahren ist. Gerade dieser Punkt: "Bei mir hat es doch auch geklappt". Ja schön. Aber wenn es halt nicht klappt, dann ist man doch keine schlechtere Mutter als andere die halt stillen können. Daher habe ich mich zum Beispiel auch bewusst gegen die Nackenfaltenmessung entschieden. Das Kind kommt so auf die Welt, wie es kommt und wird trotzdem abgöttisch geliebt. Ich hoffe diese Einstellung wird sich auch bald bei anderen ändern, damit wir einfach mal ohne diesen ständigen Kontrollwahn und einfach in dem Hier und Jetzt leben können. Und ob man richtig gehandelt und erzogen hat, was man eh erst, wenn die Kinder groß sind und einem sagen, ja wir haben eine glückliche und gute Kindheit genossen.

    Lg Laura

    Und schon mal einen Guten Rutsch ins Neue Jahr 2017!

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  13. Hallo,
    durch Zufall bin ich hier auf deinen Post gestoßen. Er ist zwar schon etwas älter, aber ich habe bei meinem Großen (jetzt 2, ebenfalls DS) genau dasselbe hinter mir. 7 Monate abpumpen, zu wenig getrunken, aufgeweckt.... Bis er 7 Wochen war. Dann dachte ich mir, ob ich verrückt bin. Ein Kind aus dem Schlaf zu reissen, damit es mehr Energie verbraucht um sich wach zu halten, als es mit dem Trinken zu sich nimmt. Von da an hat es geklappt. Durchgeschlafen, getrunken (immer noch zu wenig), ABER er nahm zu. Und nur das zählt. Jetzt denke ich, das Abpumpen und die Muttermilch war das Beste was ich für den Zwerg tun konnte. Nun bei meiner zweiten (4 Wochen) , klappt es mit dem Stillen. Ich wollte keinen Besuch bis es klappt, um mir dann keinen Vorwurf machen zu müssen oder keine Ratschläge anzuhören.
    Schön zu lesen, dass es anderen genauso bescheiden ging. Es ging alles vorbei.
    Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute.

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♥♥♥ Kommentare sind wie ein guter Nachtisch, sie machen die Sache erst perfekt. Danke dafür ♥♥♥